Faventina

Problem Klassische Musik: spätestens nach fünf Minuten hast du das Gefühl, dass du das Stück verstanden hast, dass du den Stil verstanden hast, und dass es eigentlich keinen echten Grund gibt, das Stück weiter anzuhören. Und das gilt absurder Weise auch dann, wenn ein Stück mit deutlichen Kontrasten arbeitet oder über eine starke Dramaturgie verfügt. Bis zu einem gewissen Grade gilt das sogar auch dann, wenn noch gar nicht das das gesamte Material erklungen ist, oder wenn ein Stück aus mehreren Sätzen besteht und man sich noch im ersten Satz befindet. Merkwürdigerweise finde ich nicht unbedingt, dass das für Feldman gilt, obwohl es dort wirklich naheliegen würde. Was wäre eine vernünftige Strategie, um ein Stück am Leben zu erhalten, um es nicht gleich mit der Exposition des Materials enden zu lassen? Wichtige Frage.

Merkwürdigerweise gilt das auch nicht für Techno, also rein wiederholungsbasierte Musik: vielleicht, weil hier von vornherein klar ist, dass nichts Neues kommt, weil die Musik von vornherein als statisch definiert ist und ihren Reiz aus der Wiederholung und leichten Abweichung (und nicht unbedingt nur aus dem Motorischen) bezieht. Ferneyhough dagegen als extremes Gegenbeispiel ist eigentlich nach fünf Takten klar, egal, wie sehr er sich bemüht, aus seinem stilistischen Käfig auszubrechen. Genau das macht es sogar noch schlimmer = noch langweiliger. Man hat das stilistische Konzept verstanden, und der formale Diskurs, so sehr der Komponist sich auch bemüht, ihn als den eigentlichen Gegenstand des Stückes in den Vordergrund zu rücken, reicht nicht aus, um das Interesse am Leben zu halten. Big problem.

Polyphony sucks (Feldman): Musik als Fieberkurve (nicht faktisch, aber psychologisch)

Die fehlende Notwendigkeit, ein Stück bis zu Ende anzuhören.

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