Text Wörter Sätze leider immer zusammengesetzt: d.h. man hat als Komponist gar keine Chance zu einem einzelnen Element zu kommen, es sei denn man geht auf Phoneme zurück, was zum Gähnen langweilig ist. Auf der anderen Seite: Dass die Komponisten im 20. Jahrhundert so endlos auf den Phonemen herumgeritten sind, hat eben nicht nur damit zu tun, dass man den Text dekonstruieren wollte, sondern vor allem damit, dass man nur auf diese Weise eine äquivalente Behandlung von Text und Musik erreichen konnte. In dem Moment, in dem das nicht mehr geht, bzw. in dem man sich diese verbietet, hat man ziemlich schlechte Karten, ein annehmbares Text-Musik-Verhältnis herzustellen. Ein weiteres, nur äußerlich banal scheinendes Problem ist aber, dass Wörter immer eine gewisse Ausdehnung in der Zeit haben, selbst dann, wenn sie nur aus einer Silbe bestehen, was dazu zwingt, quasi immer arco zu spielen, die Möglichkeit des Stoppschlags fällt von vornherein weg. Das musikalische Material ist von vornherein zur Ausdehnung verdammt, es gibt keine Möglichkeit, die Ausdehnung zu erarbeiten, man muss die ganze Zeit schon immer von ihr ausgehen. Wie wäre es, Wörter in einen extrem kleinen, quasi unmöglichen Raum hineinzuzwingen? So dass sie quasi zu komplexen Geräuschen würden? Das wäre das Gegenteil von meinen Glissando-Exzessen. Was würde man dann daraus machen? Wie stehen die Möglichkeiten, daraus mehr als einen Gimmick zu machen? Ein echter Vorteil wäre jedenfalls, vom elenden Schnellsprechen wegzukommen. Mehr Raum – weniger Raum. Zusammendrücken – Auseinanderziehen. Bis es zerreißt? Dann doch wieder Phoneme? Man könnte natürlich dann auch mehrere Wörter zusammenziehen – oder mehrere Silben, unabhängig von den Wörtern. Anzahl der Silben je Schlag unabhängig von Wortgrenzen bestimmen. Unbestimmtheit in der genauen Dauer, da schwierigere Silben länger dauern als einfachere Silben, und genau auf einen Impuls keine einzige Silbe zusammengezogen kann (es sei denn ein trockenes Kehlen-A, z.B.). Ähnlich wie Glissando by the way. Damit arbeiten. Ungenauigkeit, Nichtdefinierbarkeit ausnutzen und zum Thema machen. Mögliches Material. Sozusagen auf der leichtest verständlichen Ebene bleiben und diese dann durch die falsche Geschwindigkeit zerstören. Geschwindigkeit also auch Thema. Was ist mit: zu langsam? Im gesungenen Text ja offensichtlich kein Problem sondern eher Regel! Kann man es trotzdem ausnutzen? Zu langsame Sprechstimme? Das könnte bedeuten, dass die Sänger tatsächlich nie singen, aber trotzdem ausgebildete Sänger sein müssen, damit sie die Tempo- und Rhythmusanweisungen genau ausführen können.
Alles eine Frage des Tempos.
Das Wort als komplexes Geräusch.
Die Welt als komplexes Geräusch.
Little Feat: Merkwürdige Fähigkeit, eine Platte mit einer möglichst beiläufigen Phrase zu beenden und trotzdem mit genau dieser Phrase im Gedächtnis zu bleiben.