Text: It‘s all about Geschwindigkeit.
Am besten funktionieren die Dinge, wenn es in gewisser Weise egal ist, was dabei herauskommt, wenn man sich sicher sein kann, dass einerseits das Ergebnis in seiner Bestimmtheit eine Funktion haben wird, dass aber andererseits jedes Ergebnis auf seine Weise gut sein wird, wenn es richtig ausgeführt ist. Klingt, als ob man keine Fehler machen könnte (Serialismus/Feldman). Das meine ich aber nicht. Ich meine eher, dass man eine Position finden muss, in der man nicht an jeder einzelnen Note unendlich lange herumpopeln muss, weil sie so schrecklich wichtig ist. Das nimmt dem Stück seine Leichtigkeit. Vielleicht so etwas wie: langsam denken, schnell arbeiten. Oder, realistischer: Meinetwegen tausend Versionen wegwerfen, die letzte muss dann aber auf irgendeiner Ebene mühelos gelingen. Es muss dann einfach stimmen, sonst geht es nicht. Wir wissen ja, was dabei herauskommt: all die angestrengten Grusellangeweiler. In der Literatur übrigens noch größeres Problem, glaube ich. Da ist ja ALLES so irrsinnig wichtig.
Lange nachdenken, schnell entscheiden. Next problem: Wer entscheidet die Entscheidung?
Ungefähr da muss es sein. Am Ende ist es natürlich genau irgendwo. Aber nur ungefähr da.
Ökonomie vs. Verschwendung: einen riesen Chor für ein paar Töne, z.B. ein bisschen Brummen, auftreten zu lassen, ist natürlich eigentlich eine super Idee, viel besser als das krampfhafte Festhalten am symmetrischen Einsatz des Materials. Stichwort gerechte Verteilung. Funktioniert allerdings besser, wenn man es nicht von vornherein einplant, sondern wenn das Stück es verlangt (Berlioz). Dann Zeichen von Aussagekraft, Mut zur Entscheidung. Ansonsten ein bisschen zu affektiert-größenwahnsinnig, auch zu sehr die Wirkung berechnend. Im Übrigen: Es kann natürlich auch nerven, wenn z.B. das Blech für einen einzigen Einsatz den ganzen Abend auf der Bühne sitzt (Furrer). Aus der Struktur der Arbeit erklärbar, musikdramaturgisch nachvollziehbar und effektiv, wirkt aber trotzdem wie eine Fehlkonzeption. Und, tatsächlich, wie unberechtigte, weil nicht durchdachte, nur den arbeitstechnischen Zwängen geschuldete Verschwendung.
Ich habe beschlossen, nicht mehr zu schlafen. Es lohnt sich nicht. Man wacht ja eh wieder auf.