Wittgenstein/Badiou

Geht es nicht darum, dem, was man tut, einen Sinn an sich zuzuweisen (Philosophie) oder eben nicht (Antiphilosophie)? Der Philosoph würde sagen, das was ich tue, ist an sich eine sinnvolle Tätigkeit, egal, wie ich es tue, egal, was dabei herauskommt, der Antiphilosoph würde sagen, das, was ich tue, ist nur sinnvoll, wenn es sich selbst zerstört, wenn es sich selbst auflöst, wenn es sich selbst überflüssig macht. Das ist aber nicht alles. Es gibt Künstler, die begründen, die verständlich machen, die ihren Werken einen Sinn geben, das sind die Philosophen, und es gibt Künstler, die ihre Werke für sich stehen lassen, die sie an der Grenze zwischen Sinn und Unsinn ansiedeln, die in ihren Werke ihre Werke in Frage stellen, die die Begründung verweigern, das sind die Antiphilosophen.

Bei mir bis zu einem gewissen Grade auf die Spitze getrieben: Wenn etwas offensichtlich gut gemacht ist – was ja nichts anderes als eine Begründung seines Sinnes ist – laufe ich schreiend davon. Das Brillante, gut gemachte ist für mich ganz klar ein negatives Kriterium. Es müsste seine Brillanz offen halten, quasi verstecken, es müsste eine nackte Qualität des Faktischen haben, um für mich gut zu sein. Gut und gut gemacht sind also fast Gegensätze. Das heißt nicht, das das Gute schlecht gemacht sein muss, sondern vielleicht, dass das ungeschickte, schlecht gemachte im Guten enthalten sein muss. Das ist es aber auch nicht wirklich: Ist es nicht eher so, dass die Qualität über das Gemachte hinausgehen muss, dass die Entdeckung die eigentliche Qualität einer Arbeit ist? Dass die Entdeckung einer über das Überprüfbare hinausgehenden Qualität das Kriterium für eine gelungene Arbeit ist? Und da sind wir natürlich sofort bei Wittgensteins Zeigen, dass etwas zwar hingestellt wird und eine bestimmte materielle Form annimmt, dass das, was gemeint ist, aber nicht identisch mit seiner Materialität ist, sondern von ihr nur ausgelöst wird.

Die (anscheinend) absolute Überzeugung vom Sinn des eigenen Tuns, ohne den geringsten (sichtbaren) Zweifel, das ist der Philosoph. Daher die Unverdrossenheit, mit der er Material in die Welt schleudert. Der Antiphilosoph zweifelt an allem, was er tut. Seine Arbeit scheint ihm erst in dem Moment sinnvoll, in dem er sie für gelungen hält. Er versucht, so wenig wie möglich in die Welt zu bringen, nicht nur in seinem gesamten Werk, sondern auch in jeder einzelnen Arbeit. Seine Frage wird durch die Unerklärtheit seiner Arbeit betont.

Wenn Ironie nicht darin bestehen würde, dass man etwas anderes sagt, als man meint, sondern darin, dass man nicht ausspricht, was man meint, und dadurch die Bedeutung dessen, was man sagt, offen hält, wäre dies der ultimative ironische Akt: Denn es geht natürlich nicht darum, tatsächlich nichts zu tun, sondern nichts davon zu erklären.

Der Sinn der Abstraktion könnte dann die Ironie sein.

Das rein Musikalische ist eigentlich das, was auf die Dauer so auf die Nerven geht, sowohl beim Komponieren, als auch beim Musik hören. Es muss etwas dagegen gesetzt werden.

Ich will nicht bauen, ich will verstehen.

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