JB

Alte Frage, altes Thema: Woher kommt die Spießigkeit von sinngeführten Texten und wie kann man sie überwinden? Die Argumentation, die Ausarbeitung bringt auch im besten Fall eine Spießigkeit mit sich, die abstoßend ist. Liegt das daran, dass wir so eigentlich nicht denken? Dass wir uns also per Text klüger machen, als wir sind? Oder daran, dass die Vergeblichkeit des Unternehmens so offensichtlich ist: Der Sinn bleibt im Text versteckt und kann daraus auch nicht wieder hervorgeholt werden. Eine mündliche Wiedergabe der Argumentation wäre nur eine Kopie des Textes und offensichtlich nicht dem Medium Sprechen angemessen. Vor allem wäre es auch nur eine Erinnerung der Argumentation, keine echte Argumentation. Darüber hinaus kennt der Text keinen Widerpart, niemanden, der ihm widerspricht, er ist automatisch die letzte Instanz. Auch und gerade, wenn er sich mit bereits Veröffentlichtem beschäftigt, auseinandersetzt, und es bestätigt oder widerlegt.

Das ist nicht das letzte Wort.

Weiteres Problem, Anschluss: Auch wenn die schriftliche Argumentation eine eigene Dynamik entwickeln kann, also nicht im Voraus feststehen muss, zu welchem Ergebnis sie führt, ist die Zielgerichtetheit der Textart an sich ein Problem. Ausgearbeiteter Text. Aufgabe. Erfüllung. Ein Streichquartett muss wie ein Streichquartett klingen. Aufgabe Streichquartett. Weiterdenken.

Und gleichzeitig: Ohne die Dynamik des Textes könnten viele Ideen unmöglich gedacht werden, übrigens letztlich auch im nicht-schriftlichen Denken. Das Festhalten an etwas, das über den Eindruck hinausgeht. Letztlich kann Form auch die Aufgabe haben, die Bedächtigkeit der Ausarbeitung durch falsche, sinnwidrige Entscheidungen zu zerstören. Weiterdenken.

Verschwendung

wenig, aber viel

blutig

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