Zirkus

Architektur: Lustig, wie sich Ideen durchsetzen und damit selbst erledigen – je schneller durchgesetzt, desto schneller erledigt. Boxen schief übereinander stapeln dürfte sehr bald überhaupt nicht mehr gehen. Auch, weil die ikonische Wirkung so eindeutig ist und sich immer selbst ähnlich bleibt.

Gleichzeitig immer wieder erstaunlich, wie dann jemand komplett Kind seiner Zeit ist, alle Ideen verwendet, die für eine bestimmte Periode typisch sind, und es trotzdem schafft, einen eigenen Dreh zu finden, ein bestimmte GEFÜHL in der Formsprache zu verwirklichen, das nur ihm eigen ist (Steven Holl). Gutes Beispiel für jemanden, der sich nicht um übergreifende Kohärenz in seiner Arbeit zu bemühen scheint und sie dennoch – oder gerade deshalb – herstellt. Kohärenz der Arbeitshaltung im Unterschied zu stilistischer Kohärenz, die nur öde ist.

Das ist das Problem bei BIG: Dass zwar Beweglichkeit und Offenheit explizit im Zentrum der Arbeit stehen, die Herangehensweise und die Art der Ideen aber eigentlich immer gleich bleibt. Ist natürlich trotzdem toll, bleibt aber tendenziell pauschal, und man hat das Gefühl, dass zu wenig Risiko eingegangen wird, obwohl genau das ja eigentlich der Fokus ist. Es ist aber immer die gleiche Art von Risiko. Ein bisschen mehr Verletzlichkeit würde wahrscheinlich helfen.

Was nie geht, ist, wenn eine Form aus einem anderen Bereich in die Architektur hineingenommen wird, also quasi Gegenständlichkeit, eine bekannte Form wird DARGESTELLT. Wirkt eigentlich immer billig und unangemesse mit dem Medium umgegangen. Letztlich funktionieren die Fassaden-Bedruckungen der 90er und 0er Jahre auch nur sehr begrenzt, nämlich nur so lange, wie sie das Dogma der Schmucklosigkeit durchbrochen haben. In dem Moment, in dem die Idee normal wurde, wurde sie nicht nur langweilig (s.o.), sondern eben auch als dem Medium fremd durchschaubar.

Architektur wird interessanter, wenn man sieht, dass sie gut ist, aber nicht genau versteht, warum sie es ist. Gerade, was die Formsprache betrifft. BIG sind da ein bisschen Taschenspieler: Man versteht tatsächlich nicht, wie die Form zustande kommt, man spürt aber, dass es ein einfaches Kalkül ist, das die komplexe Form hervorbringt.

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