Wenn ich mal kurz was fragen dürfte: Die vielen Sachen, die man sich gerne merken würde, aber unmöglich merken kann, die alle super interessant sind, aber zu wenig Bezug zum realen eigenen Leben haben um im Hirn die Bereitschaft zu erzeugen, sie abzuspeichern. Bei mir z.B. französische Barockmusik, würde ich gerne alles wissen, alles verstehen, gerne auch unwichtige Fakten, aber hat viel zu wenig Bedeutung für meine Lebenswelt – auch als Komponist -, so dass ich nicht mal den Hauch einer Chance habe, sie mir zu merken. Als Musikwissenschaftler wäre die Sache anders, weil mein Leben anders wäre. Aber so haben die Dinge keine echte Bedeutung in meinem Leben, für meine Arbeit. Was macht man nun mit all den Dingen, die man liest, gerne abspeichern würde, aber genau weiß, dass man sie sich niemals merken wird? Markieren gibt einem das Gefühl, wenigstens etwas getan zu haben, wenigstens eine Spur hinterlassen zu haben, aber die Hoffnung, dass damit auch dem Gedächtnis geholfen wird, täuscht fast vollständig. Die vielen Markierungen, von denen man später gar nicht mehr weiß, warum sie überhaupt an dieser Stelle stehen, im Moment aber wichtig gewesen sind. Exzerpieren geht in die gleiche Richtung, man hat etwas getan, man weiß, wo man nachschauen könnte, wenn man müsste, aber viel mehr ist es eben auch nicht. Nicht ganz unähnlich die Notizen, die ich hier mache, und auch nicht sicher, ob ich die Ideen, die ich aufschreibe, festhalten oder loshaben will. Tendenziell haben sie keine wesentliche Bedeutung mehr, wenn sie einmal aufgeschrieben sind, und könnten auch vergessen werden.
Könnte man natürlich auch für eine Gnade halten, dass das Gehirn sofort ausfiltert, was man brauchen kann und was nicht, bleibt aber dennoch die Frage, wofür man die Massen von Material aufnimmt, wenn man sie sofort wieder vergisst. Vielleicht um einen Eindruck zu haben – was stimmt: Der Eindruck, den man von einem Buch, einem Artikel hat, bleibt. Sicherlich auch, weil man immer hofft, dass etwas dabei ist, das man sich wirklich merken kann, weil es sich zu merken lohnt. Mit anderen Worten: Jagen und sammeln, logischerweise findet man in den meisten Fällen nichts und muss weiter suchen. Trotzdem eine ziemlich merkwürdige Lebensweise.