another not my day day

Orgel: Objektiv betrachtet unglaublicher Lärm, eigentlich grotesk, ein riesiges, dröhnendes Gebläse mit gigantischem Resonanzkörper, in dem die Zuhörer dann gleich mit drin sitzen. Man hört den Klang blasen, über die Lippen streichen. Gleichzeitig ganz weit weg, absolut indirektes Musizieren. Echt krass. In seiner Absurdität natürlich toll.

Opernproblem Texttreue/Handlungstreue: Was Opernaufführungen häufig so langweilig macht, ist ja nicht nur das Entlanglaufen der Musik am Text, sondern auch das Entlanglaufen der Handlung am Text. Und da ist es dann eigentlich auch egal, ob die Ibszenierung dem Text entspricht oder nicht, so lange sie am Text aufgehängt ist und ihn begleitet, kann sie über das zwanghafte Abarbeiten von Text nicht hinwegtäuschen. Das könnte auch mit einer übertriebenen Folgerichtigkeit zu tun haben, dass der Regisseur sich gezwungen sieht, eine sachlich stimmige Inszenierung zu erarbeiten, die dem Text zwar möglicherweise entgegentritt, ihn aber als durchgehendes Gerüst beibehält und ihm so etwas wie eine zweite Ebene überzieht. Was wäre aber, wenn es einfach gar nicht passte, wenn etwas ganz anderes eingeführt würde, was weder mit dem Text, noch mit einem durchgehenden Inszenierungskonzept zu tun hat, sondern einfach den Text und die Handlung unterbricht, anhält, zerstückelt, etwas wirklich anderes, unvorhersehbares daraus macht. Vielleicht kommt man zurück zum Text, vielleicht nicht – das Publikum dürfte das nicht schon im Voraus wissen, sondern müsste wirklich überrascht sein, wenn plötzlich der ursprüngliche Handlungsablauf wieder auftritt. Das Ganze müsste auf allen Ebenen viel durchbrochener sein, mal viel zu lang, mal viel zu kurz, zum Beispiel auch mal mitten in der Szene etwas ganz anderes. Bausteine, die umgestellt werden können. Einfach irgendwas aus einer Szene herausnehmen, z.B. auch mit einer anderen Szene kombinieren. Man merkt, es gehört zusammen, aber es passt irgendwie nicht. Plötzlicher Ausbrechen in ein anderes Idiom. Und wieder zurück. Sätze in Sätze montieren. Das Problem ist komplizierter, als man auf den ersten Blick denkt. Es scheint irgendwie klar zu sein, was stört, aber es ist nicht so klar, wie man wo anders hinkommt. Macht doch mal was anderes. Hier da ausbrechen, dort hier ausbrechen, verschiedene Ebenen an verschiedenen Punkten ausbrechen lassen, chaotischer Umgang mit Bühne. Es müsste einen komplexen Bezug zur Bühne geben. Schlüssiges Libretto in dieser Hinsicht völlig falsch. Viel zu klar, viel zu wenig verwirrend. Bloß nicht Dinge suchen, die passen. Eher Dinge suchen, die nicht passen. Oder passt einfach alles – automatisch? Es gibt nichts, was wirklich stören könnte? Schnitt Schnitt Schnitt Schnitt Schnitt, Synchronizität als Montage. Und bloß nicht die Ebenen einzeln komponieren, damit sie in sich stringent werden. Alles zusammen. Und schnell. Sehr schnell.

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