Erniedrigte
Ad Pop vs. Klassik: Könnte man vielleicht sagen, dass Pop in Bezug auf Realität und Realitätsdarstellung überlegen ist, und Klassik in Bezug auf Musik als Musik? Und das wäre nicht unbedingt eine Schwäche, ist aber dennoch etwas, worunter alle klassischen Komponisten leiden, weswegen sie verzweifelt versuchen, Realität in ihre Arbeit hereinzuholen, in welcher Form auch immer. Daher eigentlich die ständige Forderung nach politischer Musik: Weil sie scheitern muss, weil es sie nicht geben kann, weil sie im Medium nicht vorgesehen ist. Daher die ständige Selbstkreuzigung der klassischen Musiker einschließlich myself: Wir wollen – natürlich – etwas haben, was wir nicht kriegen können, wie jedes intelligente Kind.
Und die einzige realistische Hoffnung: Dass sich an dieser Selbstquälerei unsere Arbeit schult.
Noch eine Frage dazu: War das immer so verteilt, oder war populäre Musik früher vielleicht auch tendenziell apolitisch? Bedeutet die Erfindung des Pop vielleicht die Erfindung der politischen Musik wie wir sie kennen? Und ich würde vermutlich sagen, dass auch Pop-Pop politischer ist als klassische Musik, weil er die Realität abbildet, ob er will oder nicht (und gerade, wenn er versucht, sie zu verleugnen). Deswegen ist es völlig bescheuert, sich darüber lustig zu machen.
Natürlich will jeder politisch sein, weil jeder wichtig sein will, jeder will etwas bedeuten in der Welt. Allein das sollte Grund genug sein, nicht von sich selbst zu behaupten, dass man politische Musik schreibt. Was für ein Selbstbetrug: Was wir tun ist SO bedeutungsvoll! Forget it. It doesn‘t even EXIST in the world. Und egal, wieviel Eitelkeit du hineinlegst, es wird nicht bedeutender werden.
Vorsicht
Kaktus
Angelsteg
Einfach irgendwas