Ich war zu einer Theater- oder Opernvorstellung nach Süddeutschland gefahren. Angekommen, lief ich ein wenig in der Stadt herum, ging dann zum Theater, und war so müde, dass ich ein wenig schlafen musste. Nachdem ich aufgewacht war, traf ich als erstes Thomas, der ein wenig hektisch schien und mich halb belustigt, halb entgeistert anschaute. Irgendwann begriff ich, dass die Vorstellung gerade anfing. Ich wollte mich unbedingt noch umziehen, suchte einen Raum, konnte aber keinen finden, da alle belegt waren. Schließlich entschloss ich mich, mich auf dem Flur der Hinterbühne umzuziehen. Mir ging durch den Kopf, dass es doch eigentlich bescheuert sei, extra für diese Vorstellung hierher zu fahren, und dann den Anfang zu verpassen. Ich hatte das Gefühl, die falschen Sachen eingepackt zu haben, und wusste nicht, was ich anziehen sollte. Ich entschied mich dafür, mein Hemd, das ich bereits zusammengefaltet hatte, wieder anzuziehen, darüber einen hellblauen Anzug mit dünnen weißen Streifen. Dazu fielen mir nur Sandalen ein, besser völlig bescheuert als nur halb daneben, dachte ich mir.
Auf einem Fensterbrett saß eine junge Frau mit kurzen Haaren, die zum Theater zu gehören schien. Sie hatte mir offenbar die ganze Zeit zugeschaut, und lobte meine T-Shirt-Auswahl. Ich holte triumphierend ein ziemlich abgetragenes T-Shirt aus meinem Koffer und sagte, dies sei das beste T-Shirt überhaupt. Sie fragte, woher ich es habe, was ich nicht mehr wusste. Ich schaute mir das T-Shirt genauer an und entdeckte zu meiner Bestürzung, dass es mit goldenen Louis Vuitton-Logos bedruckt war, die allerdings ziemlich verblichen waren. Ich murmelte etwas davon, dass ich wohl mal einen ganzen Stapel davon billig bekommen hätte. Aus irgendeinem Grund zeigte ich ihr dann noch voller Stolz ein Sweatshirt, das von einem anderen süddeutschen Stadttheater stammte und mit der Graphik zu einer dortigen Aufführung bedruckt war. Ich hielt ihr also das Sweatshirt hin, sah sie über das ausgebreitete Shirt an und verstand im gleichen Moment, dass ihr Name auf dem Sweatshirt abgedruckt war. Sie war die Autorin, zumindest aber die Regisseurin des Stückes gewesen, und hatte mir das Shirt nach der Premiere geschenkt. Sie hatte sich nicht verändert, trotzdem hatte ich sie nicht erkannt.