Ganz interessant, dass man beim Leiselesen alles versteht, wenn man schnell liest, aber den Rhythmus nur als Sinnrhythmus mitbekommt, wenn man anfängt, langsamer zu lesen, allmählich der Sinn verschwindet, aber der Rhythmus deutlicher wird, und wenn man anfängt, laut zu lesen, der Rhythmus deutlich bleibt, aber in seiner Bewusstheit verschwindet, und der Sinn wie von selbst wieder aufzutauchen scheint, als Aktion gewissermaßen, selbst wenn man nichts versteht. Auch hier so etwas wie: You can’t have the cake and eat it, too. Wie immer, schade. Und anstrengend, wenn man beides haben will.
Auch interessant, dass man beim Lautlesen durch Betonung und Melodie leicht suggerieren kann, man hätte den Text, den man liest, verstanden, auch wenn dies gar nicht der Fall ist. Selbst, wenn man einen Text tatsächlich weitgehend verstanden hat, ist es ziemlich leicht, ihn so zu lesen, als ob man ihn noch viel besser verstanden hätte, als dies eigentlich der Fall ist: Tatsächlich erübrigt sich beim Lautlesen auf merkwürdige Weise die Frage des Verstehens. Vermutlich große Hilfe für Schauspieler, die ihre Texte aufzusagen haben. Ein merkwürdiger Ausdeutungsautomatismus des Sprechens.
Hat vielleicht auch damit zu tun, dass für das Sprechen die Satzkonstruktion mit ihren Bezügen nicht so wesentlich ist wie für das gedruckte Wort. Es ist nicht nötig, den gesamten Satz im Gedächtnis zu behalten, um ihn richtig zu betonen, es kommt eher darauf an, die einzelnen Satzglieder vernünftig darzubieten, der Gesamtsinn ergibt sich dann von selbst im Gedächtnis der Zuhörer. Oder eben auch nicht. Selbst dafür ist der Betonungsgestus der einzelnen Satzglieder wichtiger als das Beziehungsgeflecht des Gesamtsatzes. Und trotzdem bemühen wir uns, auch in der echten Rede, die Satzkonstruktionen sauber zu halten, und sind irritiert, wenn uns das nicht gelingt. Irgendeine Sprechinstanz checkt das also doch nochmal durch.
Vielleicht also so etwas wie die Voraussetzung für das dann nicht mehr wichtig sein. Es ist halt schön, wenn es den korrekten Hintergrund gibt, aber nicht essentiell für die gelungene – ja was denn? Ja wohl nicht Kommunikation.
Geheimnisverrat.
Lustig, was sich da so schreibt.