Today, I Wrote Nothing (Vol. 1)

Eine Frau mit wadenlangem Rock aus dünnem Stoff, durch den man im Gegenlicht ihre altersdünnen Beine sieht. Plötzlich macht sie einen weiten, übertrieben expressiven Ausfallschritt nach rechts, als ob sie ihr Bein ausfahren könnte. Sie stützt sich auf einen Herrn in Jacket, bei dem sie sich eingehängt hat.

Für das Falsche
Für den Fehler
Für das Unvollkommene

Das Meisterwerk muss unvollkommen sein. Sonst fehlt ihm die entscheidende Kraft der Frische. Sie wird immer besser im Verlauf ihrer Arbeit. Und genau das ist das Problem.

Wenn etwas nur einmal geschieht, geschieht es gar nicht? Das ist ja wohl so nicht haltbar. Richtig ist, dass bestimmte Ereignisse wiederholt werden müssen, damit man erkennt, dass sie kein Zufall sind, dass sie nicht einfach nur ein Störgeräusch sind. Aber andere sind für sich genommen so exzeptionell, dass sie auch in einem Zusammenhang, in dem man sie für ein Zufallsprodukt halten könnte, nicht übersehen werden können. Wieder andere haben eine so große Wirkung, dass es offensichtlich ist, dass etwas geschehen sein muss: Wenn ein für sich genommen unauffälliges Ereignis zwischen zwei stabilen, aber unterschiedlichen Zustände eintritt, wird das Ereignis durch den Umschlag vom ersten Zustand zum zweiten markiert und tendenziell als Auslöser oder Begleiterscheinung des Umschlags wahrgenommen. Eine ausführliche Entwicklung kann als Prozess zu einem Einzelereignis hin-, und wieder von ihm wegführen, und so das Ereignis als notwendigen Höhepunkt dieser Entwicklung erscheinen lassen – vermutlich auch dann, wenn das Ereignis in keiner Weise der Entwicklung entspricht, also in keiner Weise die Erwartungen, die die Entwicklung aufbaut, einlöst.

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