funktioniert

Serie: Institutionalisierte Überforderung, so angenehm, weil die Art der Überforderung voraussehbar ist – und in gewisser Weise gerade in ihren meist unvermeidbaren Unvollkommenheiten ein angemessener Spiegel der täglichen Realität ist.

Film: institutionalisierte Unterforderung, weil innerhalb einer viel zu kurzen Zeitspanne suggeriert wird, dass man eine Geschichte auserzählen kann, was in der Realität so gut wie nie der Fall ist.

Wahrscheinlich jeder, der sich mit klassischer Musik beschäftigt, kennt die Situation, dass man einige Takte oder auch eine längere Passage aus einem Stück, das man gut kennt, mit zunehmender Begeisterung im Kopf wiederholt. Schließlich spielt man eine Tonaufnahme ab, um das Stück noch einmal zu hören, und ist selbst bei einer überragenden Interpretation maßlos enttäuscht über die Banalität der Aufnahme gegenüber der Vorstellung im Kopf. Das muss nicht nur an der Realität der Aufnahme gegenüber der Vorstellungskraft liegen, sondern könnte auch damit zu tun haben, dass wir im Kopf genau die Stelle, die uns fasziniert, so oft hören können, wie wir wollen, sie uns sozusagen etwas genauer anschauen können, wenn wir wollen, überlegen können, wie sie vorbereitet wird, oder wie es danach weitergeht, vielleicht sogar darüber nachdenken, was man anders machen könnte, während in der Realität der Aufnahme (und eines Konzerts) das Stück, das wir doch längst kennen, einfach noch einmal ausbuchstabiert wird von Anfang bis Ende und so unserer Vorstellungskraft im Grunde keinen Raum gibt. Wir können dem Stück zuhören, wir können mit ihm mitgehen, wir können abschweifen und an etwas anderes denken, aber es ist so gut wie unmöglich, im Stück hin- und herzugehen, während es gespielt wird – das ausgespielte Stück lässt keine Lücke.

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