Warum ich, Du Idiot!

Man kann auch in die Hölle fallen. Hölderlin 

Komposition ist für mich Notation von Realität. Und durch diese Notation wird die Realität verändert. Die Art der Notation entscheidet, wie weit und vor allem auf welche Art die Realität verändert wird. Realität ist alles, womit wir uns zu beschäftigen entscheiden. Das kann so einfach und naheliegend sein wie die Instrumente, für die wir schreiben, es ist aber auf jeden Fall das Material, mit dem wir arbeiten, auf das wir uns beziehen. Wenn wir über Musik sprechen, liegt es nahe, von klanglichem, also hörbarem Material auszugehen, auch wenn das offensichtlich nicht notwendig so ist, da es unzählige Methoden gibt, nicht klangliches, also auch nicht hörbares Material in klangliches Material zu übersetzen. Ich würde daran den Unterschied zwischen Übersetzung und Transkription festmachen: Übersetzung kann von jedem beliebigen Material in jedes beliebige andere Material geschehen, Transkription ist in meiner Definition eine Technik, die sich immer mit der Notation von akustischem Material beschäftigt.

In die Musik hineinnehmen, keine externen Erklärungen, es sei denn, sie werden tatsächlich Teil der Musik.

Den Gegensatz in die Musik hineinnehmen. Finde ich interessanter als die Methode sofort offenzulegen.

Transkription
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Malen nach der Natur

Tatsächlich ein Gegenstand, ich kann entscheiden, in wie weit er erkennbar sein soll und wie weit nicht. Es ist also auf jeden Fall ein Spiel mit der Erkennbarkeit.

Schnelligkeit, z.B. bei Hölderlin: Dadurch, dass er den griechischen Satzbau nicht nur imitiert, sondern wörtlich übernimmt, entsteht eine Folge, die im Deutschen zwar sinnvoll ist, aber aus dem Deutschen selbst nicht entwickelt werden kann. Es entstehen schnelle Verbindungen, die wie in einer Montage Elemente gegeneinander setzen und gleichzeitig innerhalb der am Griechischen geschulten Grammatik miteinander verbinden. Ich denke, er hat gemerkt, dass durch diese Setzung eine Schnelligkeit im Denken von einem Punkt zum nächsten entsteht, die anders nicht zu erreichen gewesen wäre. Tatsächlich sind alle Bemühungen anderer Schriftsteller, eine ähnliche Form der parataktischen Unverbundenheit auszuarbeiten im Vergleich mit Hölderlin vermutlich daran gescheitert, dass sie versucht haben, diese Setzung aus dem Deutschen, aus ihrem eigenen Verständnis ihrer Sprache zu entwickeln, aber genau dadurch wird die Setzung eben viel zu organisch, viel zu sehr empfunden. Das, was Hölderlin erreicht hat, ist aber der echte Schnitt im Denken, die absolute Unverbundenheit der Elemente, die nur durch einen intellektuellen Sprung zusammen gebracht werden können. Es ist die absolute Anorganizität, die hier den Ausschlag gibt: Eben nicht aus einem privaten Empfinden, einem persönlichen Verständnis der eigenen Sprache, sondern aus dem technischen Verständnis einer fremden Sprache, das so auf die eigene Sprache übertragen wird, dass diese auch grundsätzlich fremd wird, und dadurch erst zum Instrument einer komplexen Aufarbeitung der Realität, wie Hölderlin sie gesehen hat, werden kann.

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