Category Archives: Aufführung

Körper.

S1A: Streicher als Basis für Zwischenspiele, alle anderen Instrumente ganz wenig zu tun. Ausnahme/Spezialfall: Klavier und Janggu.

Unbedingt Viertelton-Tremolo einsetzen: Alles verstimmen!

Ensembleklang sehr geräuschhaft, viel Luft, Kompaktheit durch Mehrfachinstrumentierung erzeugen: Wenn alle den gleichen Ton extrem geräuschhaft, also undeutlich, spielen, steht am Ende der Ton doch deutlich im Raum, aber ohne einen klaren Träger/eine klare Herkunft.

Konzert in gewisser Weise eine perfekte Form, die nicht gezwungen ist, theatralisch zu sein, aber als Bühnenkunst (egal ob es wirklich ein Bühne gibt oder nicht) immer die Möglichkeit hat, das Theatrale anzudeuten oder tatsächlich ins Theatrale zu gehen. Insofern viel hybrider als das Theater selbst, ob Musik- oder Sprechtheater, wo das Theatrale schon immer vorausgesetzt und mitgedacht wird, und daher nur negiert werden kann – wovon heute sehr viele Regisseure und Theatergruppen leben.

Bitte keine Vermittlungsprojekte!

Lustige Idee, das Gesicht komplett hinter Haar zu verstecken (von der Seite). Man denkt tatsächlich darüber nach, was sich wohl hinter den Haaren verbirgt. Man könnte fast sagen: Man hält es kaum aus, es nicht sehen zu können.

Es ist nicht so, dass das Publikum wirklich verstehen will – es will eher Andeutungen haben, worum es sich handelt, als eindeutige Aufklärung – das ist letztlich genau so wie im Horrorfilm, wo der Schrecken nur so lange aufregend ist, wie man nicht weiß, was hinter der nächsten Ecke lauert. In dem Moment, in dem man das Monster kennt, wird der Schrecken banal. In dem Moment, in dem das Konzert erklärt/erklärbar ist, wird es langweilig, weil viel zu didaktisch.

Comments Off on Körper.

Filed under Aufführung, Bild, Mode, Schlachten 1: Arie, Schlachten 1: Arie (Bad Vibes Version)

aufs Kreuz drücken und ja sagen

Oper: Montage von Musikstücken, die durch gemeinsame Themen oder gemeinsames Personal (oder deren gezielte Verweigerung) zusammengehalten werden.

Freudiges Wiedererkennen: Ja, genau so sieht unsere Welt aus. Freundliche Neutralität, objektivistische Selbstdarstellung. Keinerlei persönliche Mitteilung als größtmöglicher persönlicher Ausdruck. Ja, genau so sieht unsere Welt aus.

Metallplatte in Klavier verstecken. Sicher befestigen. Dann mit echtem Werkzeughammer mit voller Wucht anschlagen.

ANGST
GESANG
WOLKEN
SCHLAF
WASSER

männlicher Akt: vulgär vs. peinlich/lächerlich
weiblicher Akt: verführerisch vs. fragil

letztlich der weibliche Akt durch die Kunstgeschichte des männlichen Blicks wesentlich subtiler konotiert als der männliche; das wird erstmal abzuarbeiten sein, bevor man einen neutralen Standpunkt einnehmen kann

man darf auch nicht vergessen, dass dem männlichen Akt durch die Möglichkeit der Erektion immer eine gewisse implizite Dynamik, die an Lächerlichkeit grenzt, zu eigen ist

Eine Inszenierung, Präsentation. Kein Werk als etwas Festes, Wiederholbares. Und darüber sollten wir froh sein.

Krass, wie der Körper auf Stress reagiert – selbst, wenn es nur eine Möglichkeit in der Zukunft, also eine Gefahr, ist. Als ob man plötzlich einen anderen Körper hätte.

Und noch ein wichtiger Punkt: Es ist in diesem Zusammenhang nicht wirklich interessant, nur Neue Musik aufzuführen, weil sich hier in den meisten Fällen ein radikaler Eingriff allein aus dem Grund verbietet, dass dem Publikum in der Regel weder das Stück selbst, noch seine stilistische Haltung bekannt ist. Aber es ist auch nicht unbedingt interessant, nur historische Musik zu spielen, weil hier einerseits der Widerstand des Unbekannten fehlt und der Eingriff durchgehend radikal sein müsste, um Unsicherheit und Staunen zu erzeugen, und andererseits gerade in dem Zusammenhang eines szenisch-musikalisch kuratierten Konzertes die Konfrontation von historischer und Neuer Musik besonders gut funktioniert und ganz offensichtlich einen neuen Blick auf historische Musik erlaubt, was in konventionellen Konzerten sehr häufig didaktisches Wunschdenken bleibt.

Comments Off on aufs Kreuz drücken und ja sagen

Filed under Aufführung, Bild, Erinnerung/Gedächtnis, Neue Musik, Oper, Politik, Schlachten 1: Arie, Schlachten 1: Arie (Bad Vibes Version)

Strecken.

D’Julz, Lemon Juice: Ganz hübsche Idee, alles gleich zu lassen und nur die Lautstärke nach oben zu drehen, und zwar an einer Stelle, die dramaturgisch nicht vorhersehbar ist. Angenehm lässig, willkürlich, und interessant, Lautstärke betont isoliert einzusetzen und nicht in einen offensichtlichen Rahmen einzubinden.

Ja, genau, das ist unsere Welt.
Genau so sieht sie aus.

Fleisch und Blut. Darum mögen die Leute Steaks, dachte er. Dies ist der kannibalistische Instinkt, der sich unter glatt gebügelten Anzügen verbirgt.

Ein Konzert muss auch eine gewisse Nutzlosigkeit haben. Andernfalls verliert es seinen Kunstcharakter und wird zu einer Leistungsschau von Interpreten oder Komponisten. An irgendeiner Stelle sollte die Sinnfrage im Raum stehen, und die stellt sich am besten durch Nutzlosigkeit.

Denke ich: Oh, ist aber interessant, was Sun Ra da macht. Merke ich: Ist gar nicht Sun Ra, ist das Fiepen von Metall auf Metall beim Herdputzen.

Iron & Wine, On Your Wings: Überzeugend friedlich – interessant!

Comments Off on Strecken.

Filed under Aufführung, Bild, Politik, Pop

DECOMUNICAZIONE

Wahrscheinlich ließe sich tatsächlich nachweisen, dass die Dringlichkeit des Redeflusses in umgekehrtem Verhältnis zum IQ der sprechenden Person steht – sehr unangenehm und ein echtes gesellschaftlich-politisches Problem. Möglicherweise noch nicht einmal eine festgeschriebene Position, sondern eher ein dynamisches Verhältnis: Die Qualität sinkt mit steigender Quantität. Wenn du dich entschließt, in den Diskurs einzusteigen, musst du auch die Konsequenzen für dein Denken tragen. Also lässt du es lieber gleich.

radikaler Opportunismus

Bei jemandem wie TT ist es offensichtlich fetischistisch, ein Konzert zu veranstalten/in ein Konzert zu gehen. TT ist so offensichtlich ein digitaler Künstler, dass es in einem Konzert ausschließlich darum gehen kann, wie sieht der in echt aus/wie benimmt der sich, was letztlich zutiefst boring und auch gänzlich uninteressant ist. Ein grotesker Trugschluss zu denken, dass man das digitale Medium dann plötzlich zurück in die analoge Konzertform überführen kann – oder eben einfach nur Geldverdien-Kompromiss auf der Künstlerseite, und ein Originalitäts-Kompromiss auf der Veranstalter-Seite.

better to do than not to

Erschreckend, wie genau die Ich-bin-kein-Roboter-Bildchen im Netz unsere Realität beschreiben: Das ist unser Leben. Genau so sieht es aus.

Comments Off on DECOMUNICAZIONE

Filed under Aufführung, Bild, Politik

So sad, so sad.

S1A: Wäre wahrscheinlich wirklich gut, japanischen Text zu integrieren, einmal, um die Eindeutigkeit der Figur (und des Goetz-Textes) zu brechen, einmal, um die Herkunft des Materials durchscheinen zu lassen. Und, weil die Texte tatsächlich sich gegenseitig kommentieren könnten, der japanische Text betont den kriegerischen Aspekt, die historische Tragödie, der deutsche Text das individuelle Scheitern. Ist dann allerdings noch die Frage, wie sich die beiden voneinander unterscheiden, da nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass der deutsche Text so verständlich gesungen werden kann, dass man sofort merkt, wann er verlassen wird, wann der Sänger in eine andere Sprache fällt. Sehr primitive Lösung wäre Vollstimme vs. Falsett.

Interessant, wie schwierig es ist, etwas genau anzuschauen, ohne im entscheidenden Moment zu blinzeln. Man schaut immer weg, als ob man Angst hätte, dass in genau diesem Moment etwas passieren würde, das man lieber/besser nicht sieht. Auch wenn man ganz genau weiß, dass das nicht der Fall ist. Die Augen mit Gewalt aufzuhalten hilft zwar, sich zu versichern, dass da nichts ist, was weh tut, aber es ist natürlich dennoch nur eine Reaktion auf das Blinzeln, kein echtes Hinschauen. Muss man also üben, sich langsam daran gewöhnen, dass die Augen offen bleiben können – ohne sich dabei einfach nur abzuhärten, sondern wirklich mit Intensität und Offenheit hinschauen.

Frage wäre, ob die Schutzreflexe damit abgeschliffen werden oder sogar verschwinden – ob es vielleicht wichtig ist, so zwanghaft auf bestimmte Ereignisse in der unmittelbaren Umgebung zu reagieren. Eindeutig ist aber, dass man bestimmte Handlungen nicht ausführen kann, wenn man sich im entscheidenden Augenblick immer wegduckt. Man kann wahrscheinlich einen Ersatz dafür finden, indem man sich z.B. voll auf den Bewegungsablauf konzentriert, aber ich glaube, es ist nicht das gleiche, wenn man nicht diese emotionale oder psychologische Hürde überwindet. Mit offenen Auge ins Schwarze treffen, das wäre die Aufgabe.

Ist Geld eigentlich immer prollig? Sieht jedenfalls in der Regel nicht sehr schön aus, wenn jemand welches hat.

Michele: something in the style of myself

Noah Klieger

Geomungo Sanjo: Chimsae mit verwenden, und zwar genau dort, wo sie auf der Aufnahme sind?

Comments Off on So sad, so sad.

Filed under Aufführung, both of them have lovers, Mode, Politik, Schlachten 1: Arie, Weltmusik

wohlberechnete Großzügigkeit

How does the world look like? Im Prinzip interessant, diese Prüf- und Klickbilder im internet, weil sie auf eine völlig bizarre und scheinbar zufällige Art tatsächlich unsere Welt zeigen. In gewisser Weise hat man immer wieder das Gefühl: Ja, genau so sieht es aus, gerade weil die Bilder so extrem kunstlos und willkürlich sind.

Interessant, dass alternative Interpreten oft noch viel spießiger wirken als der Mainstream. Ist nicht schlimm, aber schade. Weiß nicht, ob das am kleineren Wirkungskreis, der geringeren Welterfahrung, oder einfach an einer gewissen Selbstgenügsamkeit liegt. Könnte auch mit dem relativ offensichtlich vorgelebten Gefühl zu tun haben, dass man das Richtige tut. Bringt einen halt nicht weiter, leider.

Es geht hier nicht mehr um ein Zelebrieren des Verschwindens, dass etwas kaum noch oder gerade wieder wahrgenommen werden kann, dass die Sinne also in demonstrativer Schärfung auf winzige optische oder akustische Phänomene hin eingestellt werden (eine inzwischen etwas plump gewordene Form des künstlerischen Pathos), sondern darum, dass wir alles mühelos wahrnehmen können, dass wir aber nicht wissen, wo es beginnt und wo es aufhört, und vor allem nicht, welchem Bereich des Lebens es zuzuordnen ist, etwa der Welt der Werbung oder der Welt der Kunst, diese aber nur als exemplarische Bereiche in einer viel feineren Abstufung von Kategorien.

Politische Oper als Ultraopportunismus. Und vermutlich merken sie es noch nicht einmal.

Beethoven Bagatellen: Eigentlich so etwas wie leere Musik, oder kann man das auch anders verstehen? Und gibt es irgendeine realistische Möglichkeit, dass das nicht Absicht ist? Aber was will er damit, was will er damit zeigen?

Comments Off on wohlberechnete Großzügigkeit

Filed under Aufführung, Bild, Form, Klassik, Oper, Politik

nein, ich habe mich einfach umgebracht

S1A: Beziehung Stimme/1-x Schläge systematisieren, wahrscheinlich auch Geschwindigkeit der Schläge systematisieren, inklusive verschiedene Formen von Accelerando und Ritardando.

S2M: Möglicherweise gesamte Struktur nochmal ändern, zumindest für die Konzertfassung, häufigere Wechsel der Besetzung, damit wahrscheinlich auch Umstellungen des Textes. Unter Umständen mit den Textwiederholungen mehrere Binnenfassungen, nicht notwendigerweise immer vollständig, herstellen. Auf jeden Fall viel deutlichere Dramaturgie ausarbeiten. Vielleicht Soli einfügen – könnte man als Versionen innerhalb der Binnenfassungen ausarbeiten.

Warum stört es so, wenn aus Noten gespielt wird, warum stört es so, wenn Notenständer auf der Bühne stehen, warum macht es einen so großen Unterschied, ob man auswendig oder aus Noten spielt?

S1A: Watashi Dake

foto: mein kopf tut mir so weh

Comments Off on nein, ich habe mich einfach umgebracht

Filed under Aufführung, Schlachten 1: Arie, Schlachten 2: Motette