Serie: Institutionalisierte Überforderung, so angenehm, weil die Art der Überforderung voraussehbar ist – und in gewisser Weise gerade in ihren meist unvermeidbaren Unvollkommenheiten ein angemessener Spiegel der täglichen Realität ist.
Film: institutionalisierte Unterforderung, weil innerhalb einer viel zu kurzen Zeitspanne suggeriert wird, dass man eine Geschichte auserzählen kann, was in der Realität so gut wie nie der Fall ist.
Wahrscheinlich jeder, der sich mit klassischer Musik beschäftigt, kennt die Situation, dass man einige Takte oder auch eine längere Passage aus einem Stück, das man gut kennt, mit zunehmender Begeisterung im Kopf wiederholt. Schließlich spielt man eine Tonaufnahme ab, um das Stück noch einmal zu hören, und ist selbst bei einer überragenden Interpretation maßlos enttäuscht über die Banalität der Aufnahme gegenüber der Vorstellung im Kopf. Das muss nicht nur an der Realität der Aufnahme gegenüber der Vorstellungskraft liegen, sondern könnte auch damit zu tun haben, dass wir im Kopf genau die Stelle, die uns fasziniert, so oft hören können, wie wir wollen, sie uns sozusagen etwas genauer anschauen können, wenn wir wollen, überlegen können, wie sie vorbereitet wird, oder wie es danach weitergeht, vielleicht sogar darüber nachdenken, was man anders machen könnte, während in der Realität der Aufnahme (und eines Konzerts) das Stück, das wir doch längst kennen, einfach noch einmal ausbuchstabiert wird von Anfang bis Ende und so unserer Vorstellungskraft im Grunde keinen Raum gibt. Wir können dem Stück zuhören, wir können mit ihm mitgehen, wir können abschweifen und an etwas anderes denken, aber es ist so gut wie unmöglich, im Stück hin- und herzugehen, während es gespielt wird – das ausgespielte Stück lässt keine Lücke.
Category Archives: Filmtheorie
funktioniert
Comments Off on funktioniert
Filed under Film, Filmtheorie, Form, Klassik
nur noch eine Kunst
La Musica: Erstaunlich überzeugender Film, der das peinliche Pathos der 1960er Jahre fast vollständig vermeidet. Unglaublich gute Schauspieler, deren Gesichter wie hypersensible Oberflächen wirken, auf denen winzige, kaum wahrnehmbare Veränderungen die Regungen der Seele andeuten, während der Text eine gewisse Unbeteiligtheit suggeriert. Exzentrische Kameraführung, die aber trotz ihrer vielen Bewegungen eine markante Strenge bewahrt, die fast geometrisch wirkt und die Objekte des Bildfelds systematisch abzutasten scheint. Insgesamt eine angenehme Härte und Trockenheit, deren versteckte Brutalität nur einmal, in den Katzenaugen des Horrorfilms auf dem Fernsehschirm, explizit wird.
Vampir/Zombie/Bodysnatcher: Offensichtlich unerschöpfliche Metaphern, aber wofür genau? Auf einer allerersten Ebene auf jeden Fall für das, was wir nicht sehen, nicht erkennen können, wenn wir jemanden anschauen. Und das ist ohne Zweifel eine ganze Menge, schon im alltäglichen Bereich. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Leute alles dafür tun, um als das, wofür sie sich halten, erkannt zu werden. Sich sozusagen ausdrücken wollen. Allerdings: Wahrscheinlich in den meisten Fällen fließender Übergang zwischen dem, wofür man sich hält, und dem, wofür man gehalten werden will. Und da sind wir ja dann schon fast beim Vampir.
Super Idee am Ende von Spring, Liebe überhaupt nicht mehr abzubilden, was ja auch immer schrecklich aussieht, sondern ausschließlich symbolisch darzustellen: Es passiert nichts, also ist es Liebe. Ziemlich cool, und natürlich rein Skript-basiert als Kunstgriff. Finde immer mehr, dass man zur Not bei der Realisierung von Filmen Kompromisse eingehen kann, nicht aber beim Skript. Aus einem schlechten Skript wird niemals ein guter Film, aber ein gutes Skript kann nur durch eine wirklich schlechte Realisierung ruiniert werden. Und es ist natürlich sauschwer, weil komplett durchschaubar: Jeder Kniff, jeder Dreh tausendfach durchgespielt, jede Innovation sofort offensichtlich. Aber genau deswegen wahrscheinlich auch so interessant.
Comments Off on nur noch eine Kunst
Filed under Film, Filmtheorie, Text, Theater
Cartier
egasseM neddiH A – ortnI
Dorit Tanay
Le Vent d’Est: Absolute Dominanz des Wortes über das Bild. Gilt merkwürdigerweise auch umgekehrt. Beide Ebenen sauber getrennt, dadurch in sich gestärkt. Ganz klar: Bild und Ton ist nicht das Gleiche wie Bild und Wort. Eher Bild/Wort und Ton/Wort. Absoluter Glaube an das Wort. Absoluter Glaube an das Bild. Nicht so sehr an den Ton. Glaube ich.
Last/Past
Lederhaut: Agen
min./max.: Quasi eigene Stimmen
Frontale Bühnenaufstellung des Ensembles vs. Lautsprecherreihe im Rücken des Publikums.
Leisigkeit
Lautheit
Vom Gefühl her übermäßige Differenziertheit bei Lautsprecheraufstellung dem Medium nicht angemessen.
Alles frei halten, alles offen lassen, bis es zu spät ist.
Langeweile: Das Problem ist, dass Worte automatisch schon zu groß sind für das, was sie beschreiben.
Interessant, wie schwer das alles ist, wie schwierig es ist, ein auch nur halbwegs vernünftiges Leben zu führen. Vielleicht eben auch komplett unmöglich.
Nicht zu musikalisch denken! Oder vielleicht sogar gar nicht.
Comments Off on Cartier
Filed under Elektronik, Film, Filmtheorie, Form, Material, Maurizio/Licht, Stücke
it’s a struggle in a very confined space
Ist es zu kompliziert? Ist es zu einfach? Warum glaube ich da jetzt gerade nicht dran? Was muss ich tun, um daran glauben zu können?
Zuversicht als künstlerisches Problem: Um etwas zu verkaufen (Auftrag, Aufführung), musst du zuversichtlich sein, um an den Punkt zu kommen, wo du ein gutes Stück schreiben kannst, musst du alle Zuversicht hinter dir lassen.
Einfach ein schlechtes Stück schreiben. Ein schlechtes Stück akzeptieren, um ein gutes Stück schreiben zu können. Küchenpsychologie. Aber trotzdem nicht falsch.
durchziehen, als ob du es nicht könntest – du kannst es ja auch wirklich nicht
Erst Pause, dann Ton: Pausendauer bestimmt Tondauer, nicht umgekehrt.
Pause: Bisschen auch wie eine Farce – gleich geht’s weiter.
Kameraposition – die Position des Beobachters, der Ort der Bilderzeugung: Was wäre das denn genau?
Binnenpause = Artikulation
Einheit: Note(n) + Pause
Artikulation um jeden Preis!
Comments Off on it’s a struggle in a very confined space
Filed under Filmtheorie, Methode, Schlachten 2: Motette, Stücke
Es kann nur eine geben.
Pause
Arpeggio + Reibeholz: E.M.M.A.
Absurde Arpeggio-Ketten: Wäre schön. Wäre doch toll!
In dem Moment, in dem mehr als eine Stimme da ist, musst Du Dich entscheiden.
I like that. I’m beginning to see the potential.
Alles Unisono/Pseudo-Unisono?
Arpeggio als Gegenstand: Kriechen, quälend, in Nicht-Bewegung/Anti-Bewegung pervertiert.
sieht alles absolut phantastisch aus (durch die Straßen gehen)
Horrorfilm: Kameraposition und Timing (?)
Comments Off on Es kann nur eine geben.
Filed under Filmtheorie, Pop, Schlachten 2: Motette, Stücke, Uncategorized
seelische Kraft
Nochmal zu Montage: Gerade wenn ein Film quasi ausschließlich aus langen tracking shots besteht, wie Satantango, wird deutlich, wie wenig die Filmtechnik unserer normalen Art, die Welt anzuschauen, entspricht. Es ist eigentlich so, als würde man die ganze Zeit mit größter Aufmerksamkeit starren, und den Blick nur ganz langsam von einem Objekt abwenden und einem anderen Objekt zuwenden – als ob der Raum zwischen den beiden Objekten genauso wichtig wäre wie die Objekte selbst. Als ob wir also eigentlich gar kein Interesse an diesen beiden Objekten haben, sondern quasi zufällig unseren Blick vom einen zum anderen schweifen lassen würden. Ein quasi objektiver, interesseloser Blick auf die Welt. Als künstlerisches Mittel natürlich absolut sinnvoll, wenn diese Art des Blickes evoziert werden soll, und in einem Film wie Satantango in der Verweigerung von Emphase auch wieder emphatisch, aber unserer Art zu schauen grundsätzlich entgegengesetzt, also betont künstlich, im Gegensatz zu der scheinbar naheliegenden Annahme, dass Montage künstlich, weil zusammengesetzt, und tracking shot natürlich, weil einfach ist. Ein schneller Kameraschwenk wirkt ja im Übrigen wie eine Montage, außer daß dem Weg als optisches Phänomen mehr Bedeutung zugewiesen wird, als dies im realen Blickwechsel der Fall wäre. Noch einmal also: Montage ist die perfekte Methode, unseren Blick auf die Welt abzubilden – wenn man das wirklich will. Vielleicht ist es eben gerade interessant, etwas anderes zu tun. Nur das Argument der Einfachheit, Natürlichkeit ist absoluter Unsinn. In Wirklichkeit ist der tracking shot extrem künstlich.
Fuck Überlegenheit.
Destroy Distinktion.
Comments Off on seelische Kraft
Filed under Film, Filmtheorie, Form, Montage
Noch einmal zum Horrorfilm:
Vorbereitung
ohne Vorbereitung
In gewisser Weise NUR die Vorbereitung interessant, NICHT die Erfüllung. Die eigentliche Tat ist dann eher eine Erleichterung, weil man endlich weiß, was passiert. Je länger die Vorbereitung, je länger die Ungewissheit, desto länger der Kitzel. Man hat nur Angst vor dem, was man nicht weiß. By the way: Gilt das auch fürs echte Leben? Kein ganz unwichtiger Punkt, auch arbeitstechnisch.
Glaubwürdigkeit
Vorurteile
Casting: Interessant, dass NICHT alles möglich ist. Gelungenes Casting ist meistens Erfüllung von Vorurteilen mit geringfügigen/wenigen Abweichungen. Wenn die gesamte Besetzung den Erwartungen entspricht, kann ein Charakter völlig herausfallen und damit vielleicht auch die anderen Charaktere in ein neues Licht setzen. Gleichzeitig verschieben sich sicherlich auch Erwartungen, Abweichungen werden zu neuen Erwartungen, von denen wieder abgewichen werden muss, um das Ganze lebendig zu halten. Einmal akzeptiert, wird eine Abweichung sofort normal, gehört zum Repertoire und kann auch entsprechend bedient werden. Trotzdem unwahrscheinlich, dass man eine Besetzung aus lauter Abweichungen zusammenstellen könnte. Wäre aber interessant, was passieren würde. Es dürfte natürlich nicht zu unwahrscheinlich werden, aber die meisten unserer Erwartungen haben eher mit Typen als mit erkennbaren Fähigkeiten zu tun, so dass Abweichungen ohnehin schwer zu widerlegen sind. Es hat also wirklich mehr mit Akzeptanz, Vorstellungsvermögen, als mit Durchschauen, Nachrechnen zu tun. Was wäre, wenn der bescheurt Aussehende der Intelligenteste wäre? Wenn der brutal Aussehende der Feinsinnigste wäre? Usw.
Auch das hat natürlich ziemlich viel mit dem echten Leben zu tun: Dass wir bestimmten Leuten auf Grund ihres Äußerens, aber auch auf Grund ihres Benehmens bestimmte Dinge nicht zutrauen, sowohl im Positiven, als auch im Negativen. Und wir völlig vor den Kopf gestoßen sind, wenn sie es dann doch tun. Das hätte ich niemals gedacht. Es reicht ja eine Bemerkung, die man nicht erwartet hätte, und unser Weltbild gerät für kurze Zeit aus den Fugen.
Was aber natürlich nicht heißt, dass wir auf unsere Vorurteile verzichten könnten: Sie helfen uns, Dinge einzuordnen, nicht alles ständig neu zu überprüfen, kürzere Wege zu gehen, die wahrscheinlichere Option zu ziehen.
Und, ganz klar: Das Set der Erwartungen mag für die meisten ähnlich sein, gleich ist es ganz sicher nicht. Man versteht oft an Nebenbemerkungen, dahingeworfenen Beobachtungen, dass unsere Selbstverständlichkeiten überhaupt nicht mit den Selbstverständlichkeiten anderer Leute übereinstimmen müssen.
Comments Off on Noch einmal zum Horrorfilm:
Filed under Film, Filmtheorie, Form, Uncategorized
I never even listened to it.
Evgenii Bauer, After Death, 3-minute tracking shot plus reaction shot: Interessant, dass man quasi mit Gewalt die Augen aufhalten und auf den Helden fixieren muss, um wirklich sicher zu sein, dass die Einstellung nicht zwischendurch geschnitten wurde. Vielleicht finde ich es deswegen angemessener, Szenen zu montieren als in einer Einstellung zu filmen: Weil wir das, was wir sehen, ohnehin aus einzelnen Blicken zusammensetzen, und nie mit starrem Blick ein einziges Gesichtsfeld beobachten. Allein der Wimpernschlag ist ja schon ein Schnitt, woher wollen wir wissen, dass nicht ausgerechnet in diesem Augenblick etwas Entscheidendes passiert ist? Auch wenn wir etwas mit größter Aufmerksamkeit beoabachten, gehen wir aus Erfahrung davon aus, dass wir im Blinzeln nichts verpassen, tatsächlich sind das aber einzelne Blicke mit winzigen Unterbrechungen, die wir zusammensetzen, weil wir wissen, dass wir eine kontinuierliche Bewegung verfolgen. Im Grunde würden dem winzige jump-cuts im Film entsprechen. Im Film können wir aber eben nicht entscheiden, ob nicht doch ein kleiner Schnitt stattgefunden hat, da wir wissen, dass dies – im Unterschied zur nicht aufgezeichneten Realität – möglich wäre. Wir können also, wie gesagt, gar nicht entscheiden, ob wir einen ungeschnittenen tracking shot, oder einen tracking shot mit jump cuts gesehen haben, wenn wir nicht unsere volle Konzentration darauf gerichtet haben, keine Millisekunde des Filmes zu verpassen. Und deswegen finde ich, dass der tracking shot als künstlerisches Mittel eigentlich obsolet, weil theoretisch, ist. Man nimmt ihn eh nicht als solchen wahr.
In der Musik ist dies übrigens anders, weil man seine Aufmerksamkeit von einem akustischen Signal nicht völlig abwenden kann, und ein Schnitt immer als Veränderung, also als explizites Ereignis aufgefasst würde. In der Tonaufzeichnung kann man den Schnitt natürlich verstecken, aber nicht überhören, wenn er überhaupt hörbar ist. Mit anderen Worten: Die akustische Realität ist kontinuierlich, die visuelle Realität ist zusammengesetzt, und genau deswegen ist der Film mit seiner Montagetechnik ein so geniales Mittel, die visuelle Realität darzustellen: Er emuliert und überhöht unsere Art, die Welt zu sehen.
Comments Off on I never even listened to it.
Filed under Film, Filmtheorie, Montage
Perfektion
nip/tuck: weil die Fernsehserie so viel Zeit hat, kann sie es sich erlauben, Personen differenziert zu zeichnen, das Gute im Bösen und umgekehrt betonen, aber auch zeigen, dass Handlungen nicht grundsätzlich gut oder böse sein müssen. Alles, was für einen Moment gut aussieht, kann im nächsten Moment ins Böse kippen. Dito Personen. Dabei geht es ohnehin nicht um Innerlichkeit, sondern um Handlungen. Und man könnte sagen, ein Charakter definiert sich nicht so sehr über sein Innenleben, als über seine Handlungen. Oder, wenn man so will, das Innenleben ist Teil seiner Handlungen, nicht umgekehrt. Und für Handlungen ist die Fernsehserie das perfekte Medium. Weil sie soviele davon unterbringen kann. Hier tatsächlich: mehr ist mehr.
Motive und Handlungen: Komplexer Charakter
Touch of Evil/Mr. Arkadin: unvollendete, nicht abgeschlossene oder in mehreren Versionen vorliegende Filme können allein dadurch, dass man WEISS, dass sie auch anders sein könnten, dass man WEISS, das sie nicht in einer endgültigen Fassung vorliegen, ähnliche Qualitäten wie eine Fernsehserie entwickeln: dass man ihnen Schwächen verzeiht, von denen man annimmt, dass sie in einer endgültigen Fassung behoben worden wären, dass diese Schwächen aber auch den Film in seiner unabsichtlichen Heterogenität interessant machen, dass aus dem nicht zu Ende geformten Material eine Rauheit entsteht, die sonst nicht denkbar wäre, und dass der Film in all dem über die Fassung, die wir sehen, hinausweist. Er ist in gewisser Weise mehr, als wir sehen.
Gilt natürlich nicht für jeden Film, der nicht fertiggeworden ist.
Entscheidend könnte hier das Unabsichtliche sein, das nicht Ausgeformte, dass das Nicht-Gewollte interessanter ist als das Gewollte, dass die nicht zu Ende gebrachte Entscheidung interessanter ist als die durchgeführte, und letztlich, dass die volle Kontrolle in der Kunst nicht unbedingt erstrebenswert ist. Wobei geplante Leerstellen natürlich genau so langweilig sind wie ausgefüllte Leerstellen. Die Fehler müssen echte Fehler sein, der Produzent muss so mit seiner Arbeit umgehen, dass Fehler als echte Fehler erkennbar bleiben.
Das ist natürlich in der Fernsehserie leicht zu erreichen: Man denkt immer die ökonomische Begrenztheit der Produktion mit, selbst dann, wenn man sie dem Material nicht ansieht. Oder anders gesagt: Während im Kinofilm Perfektion vorausgesetzt wird und an sich langweilig ist, ist sie in der Fernsehserie ein Triumph, ein Sieg gegen die Produktionsbedingungen, gegen die Form Fernsehserie, und trägt noch spürbar die überwundene Imperfektion in sich.
Comments Off on Perfektion
Filed under Filmtheorie
Schnitt Schnitt Schnitt Schnitt Schnitt und
cut!
MVRDV Mirador Building Madrid
Steven Holl Urbanisms Working With Doubt
Harmony Korine Mistakist Manifesto
Things that don‘t add up, jokes with no punch lines, or thinks where there are pages missing in all the right places. Or maybe it‘s not nonsense so much as an imperfection, things that have an emotional sense, rather than any kind of laid-out logic or standard set of rules. Things that are awkward. I just never really cared about perfect sense. I like perfect nonsense.
I was just thinking that the real world wasn‘t enough, that science isn‘t enough, that a true mistake is some kind of magic, or maybe God.
Gebäude wie zufällig horizontal und vertikal übereinander gestapelt, durch Farbe und Form voneinander unterschieden. Scheinbar zufällig in einen geometrischen Umriss gebracht. Dadurch das Absurde der Situation zusätzlich betont: Warum gibt sich jemand Mühe, etwas in eine äußere Form zu bringen, das von seiner inneren Struktur überhaupt nicht zusammenpasst – besonders wenn das, was nicht zusammenpasst, für diesen Zweck überhaupt erst entstanden ist und daher gar nicht anders kann als am Ende auf genau diese Art zusammenzupassen oder nicht zusammenzupassen. Das völlig undenkbare und sinnlose als Schönheit.
Comments Off on Schnitt Schnitt Schnitt Schnitt Schnitt und
Filed under Architektur, Filmtheorie
Fucking Brainless the Second
Fernsehserie als Form: Du kannst Handlungsstränge beginnen, andeuten und dann einfach sterben lassen, als ob sie vergessen wären, wie im echten Leben natürlich auch. Nicht alles, was in der Welt passiert, hat Konsequenzen – könnte aber welche haben. Genau das geht im Kinofilm nicht, weil nicht genug Zeit zur Verfügung steht und deswegen jedes Detail die Handlung vorantreiben muss. Alles andere wäre Verschwendung und würde im Kinofilm als geschlosssener Form auch so wirken: überflüssig. Insofern ist die Fernsehserie viel realistischer als der Kinofilm und deswegen fühlen sich Kinofilme für uns inzwischen fast immer unglaubwürdig an. Wie eine tote Gattung.
Weiterer Vorteil von Fernsehserie: es ist tatsächlich egal, wie die Geschichte ausgeht. Man ist zwar gespannt, wie es ausgeht, wie es weitergeht, der Cliffhanger ist einer der wichtigsten dramaturgischen Kniffe der Fernsehserie, aber eigentlich weiß jeder, der schon einmal eine Season durchgeschaut hat, dass der Ausgang eines Handlungsstrangs absolut unwichtig und letztlich beliebig ist, es könnte genausogut anders ausgehen oder eben in der nächsten Folge/Season weitergehen. Dass der Ausgang immer enttäuschend ist und sein muss. Dass das aber in der Fernsehserie im Unterschied zum Kinofilm kein Fehler, sondern Bedingung der Form ist. Interessant ist dabei allerdings, dass man trotzdem, während man die Serie schaut, dem Ausgang ungeheure Bedeutung beimisst. Alles wie im echten Leben.
Gegenbeispiel Dexter: Hier gibt der Schluss der gesamten ersten Season eine neue Bedeutung und emotionale Tiefe. Eigentlich ein perfekter Filmschluss, der im Kino aber weniger glaubwürdig, weil zu konstruiert wirken würde. In der Fernsehserie ist es dagegen überraschend, dass eine gute, aber nicht überragende Season im Schluss noch einmal komplett gedreht wird. Nichts deutet in den ersten Folgen darauf hin, dass die Serie so weit über das normale Serienkiller-Schema hinauswachsen wird.
Auch das ein Merkmal von Fernsehserien: Du kannst Dir auch Schwächen erlauben, vielleicht sind sie sogar notwendig, um der Serie als Ganzes eine größere Fallhöhe zu geben. Qualitätsschwankungen tragen dazu bei, das Interesse wach zu halten. Zu viel offensichtliche Qualität ist gar nicht wünschenswert.
Comments Off on Fucking Brainless the Second
Filed under Dramaturgie, Filmtheorie
ANHALTEN
Freeze Frame
gehaltene Akkorde kurz lang sehr lang
Bewegung angehalten: Akkord
Film und DJ: mechanische Speichermedien als Metapher für musikalische Form
kein natürliches Tempo – bzw. das natürliche Tempo, Originaltempo, wird nie eingehalten, im Grund ist alles in Zeitlupe. Was bedeuten Bearbeitungstechniken, wenn auch das Original schon immer bearbeitet ist?
Warum? Um es schwieriger zu machen? Um die Möglichkeiten einzugrenzen? Weil die Möglichkeiten, die darüber hinausgehen, verbraucht sind? Weil es sonst zu leicht ist, musikalisches Material zu manipulieren? Aber warum ist es so leicht? Weil es sich nicht wehrt? Oder weil das Material selbst aus mechanischer Aufzeichnung stamt, und deshalb nur mechanische Bearbeitungstechniken angemessen sind?
In Assassination, there are virtually no long takes in the Mizoguchi style. Nor are there the sweeping traveling shots favoured by Kurosawa.
Comments Off on ANHALTEN
Filed under Filmtheorie
Aus den großen planetarischen Erzählungen I
Jens Eder, Dramaturgie des populären Films, Drehbuchpraxis und Filmtheorie, Hamburg 1999
Kandorfer, Pierre: DuMont’s Lehrbuch der Filmgestaltung, Köln 1990
Müller, Corinna: Die Modellierung des Kinofilms, München 1998
Oldham, Gabriella: First cut, Berkeley 1992
Thompson, Kristin: Breaking the glass armor, Princeton, NJ 1988
Comments Off on Aus den großen planetarischen Erzählungen I
Filed under Bibliographie, Filmtheorie